Chassis and brake revision V8, 4.2, 44

35 posts · 9,046 views · started

#31
Das liest sich alles sehr spannend,Gott sei Dank bist du da heile rausgekommen. Sehr interessant finde ich eben den Aspekt einer Flugangst bei Leuten die einen Absturz überlebt haben.Im Gegensatz zu einem (schwerem) Auto-Unfall,wo die meisten beteiligten sich quasi automatisch wieder hinters Steuer oder allgemein ins Auto setzen,ist bei den überlebenden eines Flugzeugabsturzes eine deutlich höhere Rate derer,die danach traumatisiert werden oder eine Flugangst entwickeln und nie wieder in einen Flieger steigen.Überhaupt ist es fast schon paradox,dass das Fliegen von der Allgemeinheit per se deutlich gefährlicher als Autofahren bezeichnet wird ,jedoch statistisch gesehen,ein Flugzeug das mit Abstand sicherste Verkehrsmittel ist.

Wie sieht das mit der technischen Überwachung eines Flugzeugs aus? Ich vermute,dass sich die Intervale nach den Flugstunden richten,oder sind das feste Zeitabstände,etwa alle 12 Monate?
Gibt es diesbezüglich Unterschiede je nach Art des Flugzeugs (Passagier-,Cargo-,Sport-Flugzeug, das Alter,die Grösse etc.)?
WhatsApp
#32
Wartungen im Flugzeug sind abhängig vom Alter und der Laufzeit. Und dem Einsatzzweck. Ein Airliner hat andere Vorschriften als ein Privat Kleinflugzeug.
Allerdings sind die Vorschriften in jedem Fall deutlich aufwendiger, und schießen meiner Meinung nach total übers Ziel hinaus. Bzgl. Einsatzzeit usw. DIe Dokumentatiton für Ersatzteile allein.... Da kommen Teilepreise zustande, da kann man nur mit dem Kopf schütteln.
Der Werks überholte Motor der den Geist aufgegeben hat hat damals so rund 40000! USD gekostet. Ohne Ein und Ausbau und Propeller. Wir reden hier von einem 4 Zyliner Boxer mit 6 Liter Hubraum , Luftkühlung, und Vergaser. Null Motronic daran. Praktisch ein Käfer also. Und, wie man gesehen hat war trotzdem schrott verbaut. Und das war keine Einzelfall. Bei Turbinen sehen die Preise ganz anders aus, da sind wir direkt bei Häusern für die Wartung.


Bzgl Angst.:
Für die meißten Leute ist fliegen echt außergewöhnlich. Autofahren ist Routine, und man kommt nicht drum rum. Plus, es ist auch wirklich so, beim Flugzeug kann wesentlich mehr schief gehen. Bremsen und anhalten ist nicht. Jedes System ist irgendwo Vital. Und, die Leute haben keine Ahnung. Zb wenn eins von mehreren Triebwerken im Reiseflug ausfällt ist das eigentlich überhaupt kein Drama. Trotzdem haben mir leute schon panisch davon erzählt. Das ist ca. so wie wenn man beim Auto ein Scheinwerfer "verliert" nachts. Man hat aber immer noch den anderen und die Nebellampen... Das ist alles locker zu managen. Und, es hält sich hartnäckig das Gefühl dass man sobald irgendwas schief geht quasi automatisch tot ist.
Dem ist defintiv nicht so, meißtens passiert garnichts, und selbst wenn es eine Bruch Landung ist hat man gute Chancen da raus zu kommen. Was im Gedächtnis bleibt sind aber die Unfälle mit hunderten toten. Davon gibt es sehr wenige, aber die sind natürlich ein mediales Ereignis dann.

WhatsApp
#33
Ich denke mal, dass zum Gelingen (dem nahezu schadlosen Überleben) einer Notlandung außerhalb eines Flugplatzes neben dem fliegerischen Können und der notwendigen coolness (ohne diese beiden Aspekte geht gar nichts) trotzdem sehr viel Glück mit im Spiel ist. In deinem Fall hätte der Motor wegen des sicher starken Schüttelns noch in der Luft abmontieren können. Und am Boden reicht ja schon ein kleines Loch (Karnickelbau) an der falschen Stelle und die Zelle fliegt dir beim folgenden Ringelpiez oder Überschlag um die Ohren. Aus der Luft sieht ein ausgewähltes Notlandefeld dann u.U. doch geeigneter aus, als aus der Nähe. Zäune, Ackerfurchen, Leitungen, Masten, Löcher usw. (wem sage ich das) können einem dann alles noch verhageln. Es ist aber natürlich wirklich bitter, wenn man sich eine geeignete Straße ausgeguckt hat und kurz davor verhungert.

Ich halte den Drill in der Fliegerei auch für notwendig. Bestimmte Verfahren und Abläufe muss man wirklich blind parat haben und abarbeiten können. Ein Nebeneffekt ist sicher, dass einem das die Angst nimmt weil man sehr konzentriert beschäftigt ist, und man ggf. immer noch das Gefühl hat, aktiv zu sein und nicht dem Flugzeug hinterher zu fliegen.

Ich habe in der Zeit, in der ich in der Werft geschraubt habe, zwei Notsituationen, die glimpflich verlaufen sind, als Danebensitzender mitbekommen.
Beim ersten wollte ein Bein des Fahrwerks nicht ausfahren. Wir haben damals schon beim Start des Überführungsfluges gehört, dass das Powerpack für das Fahrwerk sehr schlapp klang. Der Pilot hat es am Ende mit Abfangen aus dem Sturzflug herausbekommen. Die Situation haben wir aber beide nicht als so bedrohlich empfunden. Wir waren sicher, zur Not auch eine Bauchlandung gut überstehen zu können. Aber das war dann nicht nötig und es wurde nicht mal pan pan erklärt. Formal blieb der Vorfall also in der Familie.
Der zweite Fall war wirklich unangenehm: Starke Rauchentwicklung im Cockpit. Das muss man erlebt haben um zu verstehen, was das für eine Scheixxe ist.


In der Verkehrsfliegerei läuft meiner Meinung nach etwas grundsätzlich schief: Es wird zu wenig selbst geflogen. Im Prinzip fliegen die Flugzeuge automatisiert sicherer als jeder Mensch das kann. Aber wehe wenn etwas ausfällt oder nicht einwandfrei funktioniert.
Es gibt viele Beispiele für Unfälle, in denen Besatzung mit den Folgen von technischen Problemen nicht umgehen konnten und / oder schlicht falsche Schlüsse gezogen haben und ein durchaus flugfähiges Flugzeug zum Absturz gebracht haben (als Beispiel das Abstellen des falschen, noch intakten Motors einer ATR 72 in Taipei während der Startphase). Als positives Beispiel soll aber die Notwasserung auf dem Hudson nicht vergessen werden. Der Mann hat das Flugzeug wirklich bis zur letzten Sekunde 100% im Griff gehabt. Und er hat wirklich wenig Zeit, die (in diesem Fall wohl einzig) richtigen Entscheidungen zu treffen. Der kurzatmige Funkverkehr und die Tatsache, dass die Crew mit dem Abarbeiten der Checkliste für eine Notwasserung nicht mal fertig wurde, verdeutlichen das extrem kleine Zeitfenster für die Aktion.

Edited by Tim

WhatsApp
#34
Hi,

dem ist an sich nichts hinzuzufügen - auch wenn ich von der Luftfahrt wenig Ahnung habe. Wenn einem aber das schon bürokratisch erscheint, wünsche ich mal viel Spaß in der Raumfahrt ... dagegen ist die Fliegerei wohl noch gemütlich (vermute ich mal).

Bei Bauteilen (Elektronik, Mechanik, wurscht) kommt mir vor gibt's eine Faustregel:

Für daheim neben dem Sofa: Grundpreis
Im Auto (Automotive Qualified): Grundpreis * 10
Im Flugzeug (Aerospace Qualified): Grundpreis * 100
Für den Weltraum (Space Qualified): Grundpreis * 1000

Nicht umsonst kosten ein paar Kilogramm Satellit ein kleines Haus ;-)

Insofern schocken mich 70k für einen Motor nur bedingt...

vlG

Bastian
WhatsApp
#35
Vielen Dank für die Erklärung.

Ja,da hast du Recht.Der Hype in den Medien nach einem Flugzeug-Unglück mit Hunderten von Toten wird wohl die Ursache für die Wahrnehmung der breiten Öffentlichkeit sein.
Ich fand es pietätlos um nicht zu sagen pervers, wie manche Vertreter der Mass-Medien an die Angehörigen der Opfer des German Wings Unglücks herangetreten sind.Es gab sehr viele Beschwerden beim Presse- und Medienrat,teilweise gar beim Innenministerium.Das Volk liebt das Blut...
WhatsApp

Join the conversation, see photos and ask questions? Sign in with your forum account.

Sign in