Hi Leute,
nach zwei stressigen Tagen daheim und 5 Tagen Rückfahrt nun mal die gesamte Story step by step. Mal vorneweg: Wir sind sicher, unfallfrei und (relativ) problemlos mit dem schrillen Teil in Tirol aufgeschlagen (jetzt gehts ans typisieren und reppen, aber zu später mehr).
Tag -xxx - 0:
Herbert (der Kollege, der ihn kaufte) sieht also diese Ebay.uk Anzeige vom V8 in "good condition". Net mehr und net weniger. 2000 Pfund Startpreis, keinerlei Beschreibung, keine Bilder. Wir schreiben den Verkäufer (die sich später als eine "sie" entpuppte) mal an, und bekommen eine recht ausführliche Ausstattungsliste. 4,2er, Memory, ESD, silber, 10x CD-Wechsel (nope, kein Bose, wir sich herausstellte), und allerlei anderes (bla halt). 8 Jahre gleicher Vorbesitzer, volles Serviceheft nur bei Audi Derby und nur 160tkm.
Vor lauter irre ersteigern wir den V8 im Endeffekt um 2500.- Pfund Sterling als einziger Bieter, bei 2.500.- war das Minimum (läuft dort so), ab der er wegging. Reserved Bid.
Daraufhin meldet sich ein Mr. Hzzzzzz mit dem Hinweis, dass nur bares möglich wäre, aber kein Problem bestünde, den V8 nach Österreich zu verkaufen. Im Detail geh ich auf die Kommunikation nicht näher ein, aber letztendlich stehen wir mit spärlichen Infos, zwei netten Telefongesprächen und ohne Bildern vor einem Last MInute Flug nach BIrmingham ... riskant riskant. Und 2500.- Pfund in bar sowie einem nur mehr 4 Tage gültigen deutschen und einem österreichischen Überstellungskennzeichen am Flughafen in Salzburg am ...
Tag 1:
Wir starten also von Salzburg weg (fürn Herbert viel neues, erstes Mal geflogen, erstes Mal Fähre dann später und das erste Auto usw. usf. ... er war halt 2 Jahre lang bei mir Beifahrer, wer wird da nicht süchtig ?). Der Verkäufer (die sich eben inzwischen als ältere Miss entpuppte) gab uns noch eine genaue Beschreibung, welche Busse wir zu nehmen haben, um nach Wirksworth/Derbyshire (kleines Dörfchen am Sherwood Forest) zu kommen, die erst am 29. begann - wir mussten also in der Nähe vom Flughafen übernachten. Komische Leute und komisches Essen, aber ganz nett (nur halt sauteuer).
Tag 2:
Wir fahren per Bus von Birmingham mit einigen Umstiegen nach Derbyshire, wo wir auch schon an der Haltestelle von der Dame erwartet werden, die uns zum V8 begleitet, der vor einer Scheune stand. Aber WIE er dastand, also wir hatten ja mit einem Haufen Schrott gerechnet, aber dem war echt nicht so. Toller Lack, gutes Leder, Motorraum trocken usw. usf. Nach Testfahrt gibt's Bares gegen Wares, der bürokratische Kram wird abgewickelt, und wir werden mal groß zum Essen und Trinken eingeladen. Mit einem deftigen an der Waffel gehen wir zu Bett, der V8 verbringt noch eine Nacht in der Scheune. Bis dorthin hatten wir schon ein 6cm dickes Lederhandbuch mit allem nur erdenklichem inkl. aller Serviceblätter etc. in der Hand - und einem Originalgratulationsbrief von Audi von 1993. Wir haben auch erfahren, dass Ebay der letzte Versuch war, den V8 anzubringen, sonst wär er geschlachtet worden, da ihn einfach keiner haben wollte in Endland - tja, dämlich.
Tag 3:
Mal ein englisches Frühstück eingeworfen, um den Guinness-Kater zu vertreiben, werden wir mit aufgetanktem V8 vor dem B&B angeholt, und ich sitz das erste Mal auf der Fahrerseite - juchhe, was für ein unwohles Gefühl. Die Verkäufer (eigentlich gehörte der V8 dem Lebensgefährten, aber ist ja unwichtig, nur hatte der nix mitm Internet am Hut) gaben uns noch eine Wegbeschreibung bis Dover und begleiteten uns bis auf die M1-Autobahn quer durch England. Ach ja, vier Liter Kühlwasser bekamen wir noch dazu - das war ein wenig strange, berechtigtermaßen. 13h: Erster Tankstop und 110°C auf der Maschine - Kühlwasser halbleer. Aha. Leck an einer Schelle, juchhe. Also bis Dover gegondelt, rauf auf die Fähre und rüber - immer mit einem Auge auf der Temperatur. Ach übrigens, Linksfahren ist WIRKLICH kein Problem, oder rechts lenken, die ganzen Urban Legends sind ein wenig überzogen - geht im Nu.
In Frankreich angekommen rufen wir den Robert (Kemp) an aus Kleve (400km weiter "links"), da wars vielleicht 20h. Wie lange er denn auf sei, wir kämen vorbei - na, also vor 3h geht er net schlafen. Gut, wir sind unterwegs. Eine total verhaute Benelux-Karte ließ uns um 01:30h bei ihm einschlagen (nach einer Ehrenrunde durch die Niederlande und fünf verpassten Ausfahrten - danke, du tolle Karte, brennen sollst du !), und es gab das wohl späteste V8-Treffen aller Zeiten ab - bis 6h morgens, da wurden wir dann netterweise von Robert zu sich eingeladen, um ein paar Stunden auszuschlafen.
Tag 4:
Zu Mittag bringt uns Robert zu einer Werkstätte, die unser Kühlwasserleck erledigt, und wir gehen mal ordentlich essen. Da ich ein totaler Holland-Fan bin, gehts nachher auf nach Norden, Den Haag und Rotterdam will besucht sein (einfach herrlich dort). Wieder schlagen wir um 12h Nachts in Kleve auf und wieder leitete uns die Karte fehl und wieder half uns Robert, den Weg aus der Pampa zu finden. Ein Stundenhotel musste als Herberge herhalten.
Tag 5:
Nächsten Morgen kamen wir drauf, dass die (ich kann gar nicht oft genug danke danke danke sagen) Nummerntafelrahmen der Deutschen mit den österreichischen Kennzeichen inkompatibel waren - aber die mussten rauf. Na findet mal sonntags wo nen Expander oder gar neue Halterungen - vergiss es. Also kam Isolierband ins Spiel, und verspielterweise wurde auch das A-Nationalitätskennzeichen aus Dixo geformt. Na wenn uns die aufgehalten hätten ... gegen Mittag nehmen wir Abschied und fahren weiter zu Jochem in Karlsruhe - auf dem Weg geht uns die Maschine auf 115° (zum Glück konnten wir sie über die Lüftung wieder auf 100° runterkühlen ...) - Stau, draußen 30°, innen 60° - wuähhh. Was wir Blicke in dem Stau ernteten (Kreuzbach war das), als wir da mit dem Rechtslenker vorbeirollten, das war net übel. Auch Jochem empfing uns schon auf der Straße (hey, wir haben hingefunden, auf Anhieb - klar, wir hatten keine Karte mehr) und wir wurden gleich auf was zu Essen eingeladen. Hätte nicht gedacht, dass wir uns so schnell wiedersehen (wie gehts der Wohnung, schon sesshaft geworden ?

Tag 6:
Von Karlsruhe gings weiter nach Ulm, wo wir Davor kennenlernten, mit dem mir mal ordentlich zu Mittag aßen und den Nachmittag verbrachten. Über die bayrische Grenze nach Westtirol (TUT DAS NIEMALS, es ist der absolute Horror, diese Bergstraße) suchten wir schnell mit dem irgendwie ein wenig illegalen Kennzeichen das Weite in die Heimat - und kamen nach einer 6-tätigen Reise mit dem, mal von der Tempspinnerei abgesehen, ausgesprochen zuverlässigen V8 in Kufstein/Tirol an.
Wir möchten an dieser Stelle noch einmal von ganzem Herzen Robert Kemp danken, der unheimlich hilfsbereit und geduldig mit uns war, und uns sogar einen Platz zum Schlafen anbot sowie die Rep und die Kennzeichenhalter organisierte, sowie Jochem und Davor, die sich trotz Stress und Arbeit ein paar Stunden für uns Zeit nahmen - das nenn ich Hilfsbereitschaft und Kollegialität ! Echt super von euch ! Ich hoffe, jemand vom Forum (ganz besonders Robert

kommt mal bei uns durch, und wir können uns revanchieren - wer braucht schon Audi für V8-Stützpunkte, wir können das viel besser

Ein großes Sorry an die Leute aus Ingolstadt bzw. Passau, die wir aus Zeitgründen nicht mehr abfahren konnten - das war uns einfach zu heiß wg. der Nummerntafeln. Sobald der V8 aber durch den TÜV hier ist und alles hergerichtet ist, sind wir beim nächsten V8-Treffen mit dabei bzw. kommt der nächste Europatrip, denn das war echt was besonderes mit dem V8 mal quer durch Europa

So, jetzt zu den interessanten Details des Exoten: Es ist ein 9/93er 4,2er mit 160tkm (102tm) MJ93 mit E-Memory-Sitzen, ESD, dunkelblauem Leder, Servotronic, Audi-Sportlenkrad (wir glauben, der hatte kein Airbag ... na mal schauen), und den üblichen Standardschnickschnack. Er hat das Armaturenbrett eines Rechtslenker 20Vs (falls es die mal gab), d.h. 20V Aussparungen und ein 20V Handschuhfach. Alles ist auf englisch und in Meilen sowie in Kilometern angegeben und der Bordcomputer rechnet ausschließlich in Meilen. Die Klima aber bekommt ihre Daten als km/h. Das Rechtslenken macht auch auf rechtsbefahrenen Straßen ausschließlich beim Überholen Probleme und ist ansonsten beinahe spaßiger als das "normale" Fahren, irgendwie gemütlicher, aber jetzt mal rein subjektiv wahrgenommen.
Zum Zustand des Fahrzeuges - also ich glaube Herbert hat den ersten V8 mit Ameisenhaufen "on board" gekauft - am vorderen rechten Kotflügel verläuft die zweispurige Ameisenstraße bis zum Haufen im Kotflügel - das müssen wir mal ausschwemmen. Der Wagen ist rundum quasi rostfrei (kein Heckblechrost) vom Lack her, außer vorne auf der Motorhaube von einem Steinschlag. Steinschlag sowie Salz ist den Engländern ja quasi unbekannt, da sie keine Winter haben, und da der Wagen nicht in Meeresnähe stand, ist auch nicht niedergerostet.
Die Bremsen sind top, dafür ist das Fahrwerk recht fertig (Stabis, Querlenker, Stoßdämpfer, es war ein "cruisiges" Fahren ... aber trotzdem sehr sehr angenehm). Die Felgen sind rare 15" BBS Erstausstatter, aber total fertig, leider. Dafür bekamen wir Winter-Alus in 16" mit - mit vier unterschiedlichen Profilen, aber gut. Strange. Die Dichtungen sind alle im Eimer (außen, innen sehr gut), innen sieht er fast aus wie neu, die Lichter gleichen einer Todesfunzel (und sind englisch mit verkehrten Strahlkörpern), der Tempomat (HAHA) spinnt sich aus (ich schwöre, es ist das Steuergerät), der BC rechnet "negativ" (sprich, im Schubbetrieb >200l Verbrauch und bei Vollast 0l ... komisch), er hat keine MAL, dafür leuchten alle Lämpchen, die sonst immer hin sind (Memory, Spiegelverstellung usw.). Getriebe möchte gerne einen Öl- und Siebwechsel, dafür ist der Motor echt tiptop, keinerlei Ölverlust auf 1500km, wirklich null. Lambda vermutlich hinüber da recht hoher Verbrauch und er "verschluckt" sich gerne beim Starten nach dem kalt sein. Kurz kam das Hydraulikwarnsymbol in einer engen Kurve, muss aber der Schwimmer gewesen sein, da zu wenig Öl drin ist, jedoch keinerlei Hydraulikverlust festzustellen war. Was sonst an außenliegenden Schrauben, Halterungen, Kabeln, Wischern etc. zu finden ist, ist leider total verrostet bzw. korrodiert, müssen wir also tauschen. Alles, was elektronisch ist, funktioniert ansonsten perfekt. Die Klima hat folgende drei Fehler:
15,1 (G113) Rückmeldepoti Stauluftklappe, Ständig offen
11,5 Rückmeldepoti der Zentralklappe, statisch blockiert
08,7 Rückmeldepoti der Temperaturklappe, sporadischer Block
Klingt nach viel Arbeit (?). Der Unterboden sieht sehr gut aus, entweder die haben den Auspuff mal neu gemacht, oder er wurde nie vernünftig nass. Der Motor hat erst ab 3500upm einen Anzug, dafür wird er dann brutal, im Gegensatz zu meinem, der unten heraus besser kommt, dem aber oben eher die Luft ausgeht (muss wohl an der Nockenwelleneinstellung liegen ?). Ja, es wurde immer alles bei Audi gemacht, ZR ist von der Laufleistung nicht fällig, aber vom Alter her (7 Jahre her). Die Kreise scheinen alle dicht zu sein (hoffentlich bleibts so), aber das Temperaturproblem ließ sich bisher nur auf den Thermostaten oder den Visko eingrenzen - da sind wir noch am schauen.
Der V8 hat folgende Ausstattungscodes, wie gewünscht:
4C2 G56
ABH006424
AXZ AZG
LY7T / LY7T
NOK / PF
X2B BOA C3K QOH HOQ
M7Y Q1A 1Q3 1MD
1N3 3AF 3BF T7J
4UA OG2 8AV
8RL 1LG 3FD 1BA
Bilder folgen noch, fragt uns ruhig aus, wenn ihr noch neugierig seid, jetzt geh ich aber mal pennen, darf morgen schon wieder arbeiten :|
Danke nochmals an alle, v.a. Robert, und gute Nacht

lG
Herbert und Bastian