In Antwort auf:

Bei Neuteilen der niedrigere Wert. Bei Gammelzeug der höhere.



Martin, was genau meinst du mit Gammelzeug?
Neuteile = fettfrei?
Gammelzeug = verölt?
Oder Gammelzeug = verrostet, verwürgt und verschlissen, egal, ob verölt oder fettfrei? So ein Gammel wird mMn in Hersteller-Werkstätten (die das Werkstatt-HB mit den zwei Werten ja benutzen) nicht mehr verbaut, bei mir eigentlich auch nicht.

Du hast zuvor hier in der Tabelle gezeigt, dass einem Anziehmoment eine Vorspannkraft (Zugkraft in der Schraube) zugeordnet wird. Bei "öligem" Gewinde (an Schraube und Mutter) sowie "öliger" Auflagefläche an Schraubenkopf bzw. Mutter (je nachdem was gedreht wird) bedingt das gleiche Anziehmoment eine höhere Vorspannkraft als in einer ölfreien Umgebung. Weil ein geöltes Gewinde dann bei dem gleichen Anziehmoment mehr Umdrehungen zuläßt.

Ich meine, verölt = kleiner Wert, fettfrei = großer Wert, dann sollte die Vorspannkraft beides mal etwa gleich sein.

Das Sichern der Muttern gegen Losdrehen sollte ja wohl nicht durch höheres Anziehmoment geschehen (deswegen bei dir Gammelzeug mit höherem Wert anziehen?), sondern durch Federringe o.ä.. also durch konstruktive Maßnahmen.

Der Wert des Anziehmoments ist doch bloß eine Krücke, um die vom Konstrukteur für notwendig erachtete Vorspannkraft der Schraubenverbindung zu gewährleisten. Weil man die tatsächlich in der Schraube vorhandene Vorspannkraft nicht einfach messen kann.



Beispiel Zylinderkopfschrauben: Da wird Gewinde und Auflagefläche des Schraubenkopfes (auf der U-Scheibe) eingeölt, um eine definierte Gleitreibung (im Gewinde und Auflagefläche) zu gewährleisten, damit die Vorspannkraft der ZK-Schrauben möglichst gleich bei allen ZK-Schrauben des ZKs ist.

Dabei ist jedoch sorgfältig (nicht zu ölig) zu arbeiten, damit kein Öl zwischen die Dichtflächen der ZK-Dichtung gelangt.
Alle Dichtflächen müssen absolut fettfrei sein, andernfalls stellt sich nach sehr kurzer Zeit wieder eine Leckage ein.


Gruss Georg H.